Dresdener Schachgeschichte

 

Liebe Schachfreunde,

heute findet ein Jubiläumsabend des Dresdner Schachbundes statt, 25 Jahre deutsche Einheit, 25 Jahre Schachverband Sachsen, ca. 25 Jahre Dresdner Schachbund. Es ist gut, wenn ein solcher Abend zur Aufarbeitung der Schachgeschichte genutzt wird. Wissen über die eigene Vergangenheit gibt Kraft zur Bewältigung einer nicht einfachen Zukunft.


Vor 30 Jahren hätte ich mir einen solchen Jubiläumsabend nie und nimmer vorstellen können. Ich hatte aus beruflichen Zwängen meine größeren Schachfunktionen aufgegeben, war Vorsitzender der kleinen Sportgemeinschaft der Ingenieurhochschule Dresden geworden (an der ich beruflich tätig war), kümmerte mich neben dem Aufbau einer Sektion Schach vor allem um den Aufbau von Sektionen Schwimmen, Wandern und Bergsteigen und Federball.

 


Ich hatte größeren Schachfunktionen auch deshalb eine Absage gegeben, weil ich mit der Sportpolitik nicht einverstanden war, die Schach als nichtolympische Sportart degradiert hatte. Trotzdem hatte ich die Entwicklung des Schachs in der DDR nie ganz aus dem Auge verloren. So konnte es auch geschehen, dass ein Dr. Michael Schmidt, der damals an der TU Dresden wissenschaftliche Kongresse zum Schach initiierte, eines Tages Mitte 1988 bei mir erschien und mir mitteilte, dass die breite Kritik der Basis an der Sportpolitik der DDR erste Möglichkeiten beim DTSB erschlossen habe, nichtolympischen Sportverbänden wie dem Schach mehr Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Er forderte mich auf, selbst wieder als Funktionär aktiver zu werden. Er überzeugte mich derart, dass ich zunächst in Dresden die technische Leitung des Großmeisterturniers 1988 und im Jahr darauf des Internationalen Frauen-Schachturniers 1989 übernahm.

Da sich damals der Bezirksfachausschuss Dresden (ganz im Gegensatz zum durch Manfred Kalmutzki gut geführten Stadtfachausschuss Dresden) in einem jämmerlichen Zustand befand, war ich auch bereit, dort Aufgaben zu übernehmen. Und das besonders deshalb, da ich durch meine vielen Schach-kontakte erfuhr, dass sich im BFA Leipzig Anfang Februar 1990 unter Leitung eines Schachfreundes Funke eine Initiativgruppe Schach gebildet hatte, die zur Erneuerung des Schachverbandes der DDR (sehr sinnvoll auch aus meiner Sicht) und zur Bildung eines sächsischen Landesverbandes Schach aufrief. Letzteres lag deshalb nahe, da die politische Wende die Wiedereinführung der Länderstruktur in der DDR bereits auf die Agenda gesetzt hatte. Deshalb traf ich mich bereits am 2. März 1990 mit Funke in Leipzig. Wir erarbeiteten einen Vorschlag, an die drei sächsischen Bezirksfachausschüsse, sich bereits im März mit Verhandlungs-Delegationen zu treffen, um die Schaffung eines sächsischen Schachverbandes über Expertengruppen vorzubereiten. Als ich mit dieser Perspektive am 24. März 1990 auf der Delegiertenkonferenz des Bezirksfachausschusses Dresden zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, beschlossen wir, den Bezirksfachausschuss Dresden in einen Arbeitsausschuss umzuwandeln, dessen wichtigste Aufgabe neben der vollen Aufrechterhaltung des Spielbetriebs die Gründung eines sächsischen Schachverbandes war.


Bereits am 31. März 1990 trafen sich bevollmächtigte Delegationen der Bezirke Dresden, Karl-Marx-Stadt und Leipzig zur ersten gemeinsamen Beratung über die Bildung eines sächsischen Schachverbandes. Wir gründeten eine „Initiativgruppe Landesverband Sachsen“ mit acht Expertengruppen. Da der Leipziger Funke aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand, wurde ich mit der Leitung der Initiativgruppe betraut. Neben mir waren die Dresdner Stefan Glasewald und Frank Rieger als Leiter von Expertengruppen dabei. Damit war eine gute Voraussetzung geschaffen, im Herbst 1990 einen sächsischen Schachverband wieder erstehen zu lassen.


Inzwischen hatte sich in Berlin auch einiges getan. Auf der erweiterten Präsidiumstagung des DSV der DDR am 15. Dezember 1989 trat das Büro des Präsidiums nach massiver Kritik der Bezirke u.a. an der fehlenden Verbindung mit der Basis zurück. Zur Vorbereitung des im Mai 1990 bevorstehenden Verbandstages wurde ein Arbeitsausschuss noch mit Dr. Ernst Bönsch als Koordinator gewählt. Es wurden sechs Expertengruppen gebildet, denen Schachfunktionäre der Basis angehörten und die sich sehr kritisch mit der bisherigen Leitungsarbeit befassten. Ich selbst habe in der Arbeitsgruppe 4 (Analyse und Überarbeitung der Wettkampf-, Rechts-, Klassifizierungs-, Qualifikations- und Delegiertenordnungen) mitgearbeitet, die sich zweimal in Berlin traf. Der Verbandstag am 26./27. Mai 1990 brachte dann erwartete wichtige Veränderungen. Die alte Leitung mit Werner Barthel und Dr. Ernst Bönsch wurde völlig entmachtet. Als neuer Präsident des Deutschen Schachverbandes der DDR wurde der Dresdner Dr. Michael Schmidt gewählt. Mit Thomas Delling (Hoyerswerda), Wolfgang Schwarzer (Rodewisch), Robert Beltz (Leipzig), Manfred Kalmutzki (Dresden) und Detlev Schötzig (Leipzig) fanden sich weitere fünf Sachsen im Führungsstab des erneuerten DSV der DDR wieder. Die Zukunft des DSV blieb allerdings noch offen, da damals die endgültige politische Entscheidung über eine evtl. Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten noch nicht gefallen war.


Nachdem die Volkskammer am 23. August 1990 den Beschluss gefasst hatte, dass die DDR der BRD beitritt, musste auch im Schach alles sehr schnell gehen. Verhandlungen zwischen Delegationen des Deutschen Schachbundes der BRD und des Deutschen Schachverbandes der DDR führten zur Festlegung, dass die neugegründeten Schachverbände der Länder der DDR noch vor der staatlichen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 auf einem „Außerordentlichen Bundeskongress des Deutschen Schachbundes e.V. aus Anlass der Vereinigung mit dem Deutschen Schachverband e.V. (Vereinigungskongress)“ am 29. September 1990 in Leipzig in den Deutschen Schachbund e.V. aufgenommen werden.


Jetzt wurde für uns die Zeit knapp. Aber die gute Vorbereitung durch die Ende März gegründete „Initiativgruppe Landesverband Sachsen“ ermöglichte uns, den „Schachverband Sachsen e.V.“ schon am 15. September 1990, also zwei Wochen vor dem Vereinigungskongress, zu gründen. Leider standen uns zu diesem Zeitpunkt wegen notwendiger beruflicher Veränderungen wichtige Schachfunktionäre nicht mehr oder nur noch bedingt zur Verfügung, so z. B. der Hoyerswerdaer Thomas Delling wegen regionalpolitischer Pflichten und Robert Beltz aus Leipzig wegen eigener Firmengründung. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und mich zur Wahl als Präsident des Schachverbandes Sachsen zur Verfügung stellen. Ich wurde erster Präsident des Schachverbandes Sachsen, weitere Dresdner mit Reinhard Jost (Vorsitzender der Technischen Kommission), Frank Rieger (Referent Ausbildung) und Manfred Kalmutzki (Referent Breitenschach) ergänzten die neue Führungsmannschaft.


Dass ich gemeinsam mit vielen Anderen in meinen acht Präsidentenjahren trotz personeller Engpässe den Schachverband Sachsen gut zum Laufen gebracht habe und trotz mancher vermeidbarer und unvermeidbarer Fehler positiv auf diese Zeit zurückblicken kann, steht auf einem anderen Blatt. Inzwischen sind 25 Jahre vergangen und der Schachverband Sachsen hatte gute und nicht so gute Zeiten. Auch jetzt wieder gibt es viele Probleme im Schachverband Sachsen, die zum großen Teil auf den Mangel an guten Funktionären zurückzuführen sind. Aber das weiß man im Dresdner Schachbund ja sehr gut. Und mit diesem Problem wird sich der gesamte Schachsport auch noch in Zukunft herumzuschlagen haben. Deshalb möchte ich als Ehrenpräsident des Schachverbandes Sachsen alle Vereine darauf hinweisen, wie wichtig es für uns alle ist, dass sie bereit sind, auch gute Funktionäre an übergeordnete Leitungen abzugeben.


Erlaubt mir zum Schluss noch drei Bemerkungen:


Mein Dank gilt dem Dresdener Dr. Michael Schmidt für seine hervorragende Arbeit als Vizepräsident und letzter Präsident des Deutschen Schachbundes der DDR. Er hat entscheidende Impulse für eine erfolgreiche Überführung des DDR-Schachs in die Strukturen des Deutschen Schachbundes gegeben und hat mit dem damaligen Präsidenten des DSB Egon Ditt dafür gesorgt, dass das DDR-Schach im Gegensatz zu einigen anderen Sportarten fair und gleichberechtigt in das Schach der Bundesrepublik Deutschland überführt werden konnte. Ich bedaure sehr, dass er sich gegenwärtig in einem Koma-ähnlichen Zustand ohne Heilungschancen in den Beelitz-Heilstätten befindet.


Mein Dank gilt dem Dresdener Manfred Kalmutzki, der als Leiter des Stadtfachausschusses und später des Schachbundes Dresden und als Breitenschach-Verantwortlicher in übergeordneten Strukturen des Schachs fast vierzig Jahre Hervorragendes besonders auch in den Wendejahren geleistet hat und heute leider stark gesundheitlich gehandicapt ist.


Ich freue mich sehr darüber, dass die in der DDR-Zeit gegründeten ersten Schachkontakte mit Hamburg später weiter gepflegt wurden und heute eine Fortsetzung finden. Ich selbst war nach der Wende in Schachsachen dreimal in Hamburg und wünsche den Schachkontakten mit Hamburg weitere gute Früchte.

Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.

 

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