Behindertenschach

Halbzeit bei der 1. Weltmeisterschaft im Schach für Menschen mit Behinderungen

 

Andrei Obodchuk und Piotr DukaczewskiNach 4 von 7 Runden ist Halbzeit. Entschieden ist aber noch nichts, vielmehr werden erst die weiteren Runden über den Gesamtsieg und den in den Kategoriewertungen entscheiden.

An Brett 1 (heute Tisch 10) trafen heute die Nummer 1 der Setzliste IM Andrei Obodchuk (Russia IPCA) und IM Piotr Dukaczewski (Poland IBCA) aufeinander. Die Partie zwischen den beiden 3-Punktern konnte Obodchuk für sich entscheiden und wurde damit seiner Favoritenrolle gerecht und setzte sich als einziger verlustpunktfreier Spieler an die Tabellenspitze.

 

Ebenfalls mit drei Punkten griffen heute IM Iuri Meshkov (Russia IPCA) und Mohammadreza Ghadimi (Germany ICCD) ins Geschehen ein. Die Partie endete Remis.

Die mit 2 Punkten derzeit erfolgreichste weibliche Spielerin ist Yulia Turkeeva (Russia ICCD II). Sie bekam es heute mit dem an drei gesetzten IM Dimitrj Scerbin ( Russia IPCA) zu tun, dem sie sich leider auch geschlagen geben musste.

 

Raphael ZimmerEin tolles Turnier spielt der jüngste Teilnehmer der Weltmeisterschaft, Raphael Zimmer (Germany IPCA). Als 63. der Startrangliste hat er sich durch eine gute Leistung weit nach vorne geschoben und spielte heute am Live - Brett 4. Leider konnte Raphael aber seine gute Performance nicht beibehalten und unterlag Jerzy Strzelecki (Poland ICCD).

 

Viktor StrekalovskiDer älteste Teilnehmer der Weltmeisterschaft ist Viktor Strekalovski (IPCA Russia). Der 1932 geborene konnte seine heutige Partie gegen Falk Zimmermann ((Germany IBCA) gewinnen.

 

 

 

Wolfgang Uhlmann mit MDR FernsehenAuch einige Kiebitze fanden sich heute ein – darunter der Dresdner GM Wolfgang Uhlmann. Seine Anwesenheit nutzte das Team vom MDR Fernsehen gleich für ein Interview mit dem Altmeister.

Dimitrij Scerbin und Yulia TurkeevaIuri Meshkovthumb Turnierhelfer Robin Goldberg

 

Runde 3 (Bericht von Philipp Roeder und Dr. Helga Schmidt)

Katharina Kohnen freut sich uber ihr MattAuch Runde 3 bot einige Überraschungen. So besiegte im Match David gegen Goliath die Dresdner Studentin Katharina Kohnen (DWZ: 1399 (!)) völlig unerwartet den deutlich stärkeren Gegner Igor Chernov (ELO: 2086) aus Russland. Obwohl Katharina eigentlich mit einem Turm weniger schon total auf Verlust stand, setzte sie ihren Gegner überraschend auf der Grundreihe matt, nachdem dieser einen vergifteten Bauern auf g6 geschlagen hatte (im Foto gut ersichtlich). Ob es sich dabei um ein Unterschätzen des Gegners oder um einen „Patzer“ gehandelt hat, bleibt Ansichtsache. Katharina, die nicht nur an der TU Dresden studiert, sondern auch beim USV TU Dresden Schach spielt, war es am Ende egal. Sie freute sich riesig und hat jetzt 1,5 Punkte nach drei Runden und ist mit der Hälfte der Punkte mehr als zufrieden.

Sergej Krylow- Rolf Huss mit Dresden Fernsehen

 

Als sich IM Sergey Krylov (Russland) und Rolf Huss (Fulda, IPCA Germany) überraschenderweise auf remis einigten, war sogar das Dresden-Fernsehen dabei (im Foto: links). Rolf Huss (ELO: 2150) ist stolz darauf, an dieser 1. Weltmeisterschaft teilzunehmen. Mit 2,5 Punkten fand er gut in dieses Turnier.

 

 Raphael Zimmer er ist der jungste Teilnehmer

Beim deutsch-deutschen Duell am Tisch 23 setzte sich der jüngste Teilnehmer des Turniers, Raphael Zimmer, gegen Michael Gründer in einem schönen Leichtfigurenendspiel überraschend durch.

IM Andrei Obodchuk dagegen blieb seiner Favoritenrolle gerecht und setzte sich beim russisch-russischen Duell gegen Victor Varezhkin durch.

Im französischsprachigen Duell trafen sich der Franzose Georges Vasques und der Marokkaner Jamal Messala mit einer Variante des „Sizilianischen“ als Eröffnung sozusagen mit der Kirche ums Dorf auf der Mittelmeerinsel zwischen Europa und Afrika.

Italienische Delegation

Passenderweise ist die italienische Delegation (im Foto) nach Russland, Deutschland und Polen die viertgrösste Delegation. Bei der 1st World Chess Championship for Disabled nehmen insgesamt aktuell 64 Teilnehmer aus acht Nationen teil. Den langen Weg aus Indien nahmen immerhin zwei Schachspieler auf sich, aus Frankreich, der Schweiz und Marokko stammt jeweils ein Teilnehmer.

Aber nicht nur am Schachbrett verbringen die Teilnehmer Zeit mit- bzw. gegeneinander. Auch nach anstrengenden Schachpartien nutzten die Sportler aus Russland, Polen, Indien und Marokko die angebotenen Möglichkeiten die Stadt Dresden bei Stadtrundfahrten zu entdecken und erleben. Das Grüne Gewölbe mit seinen unermesslichen Schätzen und einem Schachbrett aus Bernstein beeindruckte die Schachspieler besonders. Für die blinden bzw. sehbehinderten Teilnehmer gab es spezielle Objekte, die sie berühren durften. Um das Rahmenprogramm kümmern sich Dr. Helga Schmidt und Helga Jäsche.

Frau Dr. Helga Schmidt berat in Sachen RahmenprogrammFrau Helga Jesche betreut das Rahmenprogramm

 

Runde 2 (Bericht von Philipp Roeder)

Einer der FavoritenNachdem die 1. Runde erwartungsgemäß ohne große Überraschungen verlief, gab es in der 2. Runde zumindest einige Überraschungen. So besiegte Marco Sponheim aus Deutschland (IPCA - International Physically-Disabled Chess Association) den Internationalen Meister Dimitrij Scerbin aus Russland. Generell ist bei diesem Turnier die Tendenz erkennbar, dass die Partien ausgekämpft werden und nicht vorzeitig mit schnellen Remis (Unentschieden) beendet werden. Nicht zuletzt wird dies auch durch die sog. Sofia-Regel unterstützt, die bei diesem Turnier Anwendung findet und hier besagt, dass eine Remisvereinbarung nicht vor dem 30. Zug erfolgen darf, es sei denn der Schiedsrichter trifft eine anderweitige Entscheidung.

Im Duell der beiden russischen Schachspieler an Brett 1 setzte sich der an Platz 1 gesetzte Internationale Meister Andrei Obodschuk (im Foto) gegen Viktor Strekalovski erwartungsgemäß durch.

Mohammadreza Ghadimi, der für den Hamburger Gehörlosenverband antritt, gewann die ersten beiden Partien und legte damit einen erfolgreichen Turnierstart hin. Er freut sich offensichtlich über den Sieg und ist für die dritte Runde optimistisch.

thumb Mohammadreza Ghadimigehoerlos gegen sehbehindertGehoerlose aus Dresden

Der sehbehinderte Stanislav Babarykin, Fidemeister aus Russland, gewann an Tisch 7 gegen den gehörlosen Jerzy Strzelecki aus Polen. Bei dieser besonderen Konstellation assistierten gleich zwei Volunteers: Ilona Olligs und ihr Sohn Antonius Olligs.

Wolfgang Krabbe (im Foto rechts) und Stefan Krause (im Foto links) trennten sich remis. Beide spielen für den Gehörlosenverband Dresden und sind im ICCD (International Chess Committee of the Deaf Germany) organisiert.

Hart ausgekämpft wurde eine der am längsten laufenden Partien an Tisch 19, wobei sich der gehörlose Victor Varezhkin (Elo: 2182) aus Russland am Ende gegen Dawid Falkowski (Elo: 2013) aus Polen durchsetzte. Auf Grund der Brisanz der Partie in der Schlussphase bildeten sich hier auch entsprechende Kiebitztrauben. Auch die Partie am Tisch 3 zwischen Alexander Balberov (Russland) und Ruben Bernardi (Italien) wurde lange ausgekämpft. Nach fünf Stunden einigten sich beide auf die Punkteteilung.

Interessant für Außenstehende sind die Blindenschachbretter, wie sie beispielsweise der polnische Internationale Meister Piotr Dukaczweski nutzt, der als einer der Favoriten des Turniers gilt. Ein Volunteer (hier: Alexander Hilgenberg) assistiert am Brett und führt die Züge am großen Brett aus und notiert sie entsprechend. Zusätzlich werden die Züge vom Gegner i.d.R. angesagt und somit bestätigt. Einigen Teilnehmer werden auf Grund der Beeinträchtigungen feste Tische zugewiesen.

Die Ankündigungen vor Rundenbeginn erfolgen jeweils in vier Sprachen: neben deutsch, englisch und russisch auch in Gebärdensprache. Dazu wurden Gebärdensprachdolmetscher von der Landesdolmetscherzentrale für Gehörlose in Zwickau engagiert. Die Gehörlosen werden somit entsprechend einbezogen und es kann von gelebter Inklusion gesprochen werden.

Die weiteste Anreise hatte übrigens der Inder Snehit Saraf, dessen Familie extra für dieses Schachturnier nach Dresden mitgekommen ist. Er spielt in der Gruppe der Körperbehinderten.

Eine solche Veranstaltung lebt auch immer von den vielen fleißigen Helfern im Hintergrund. Insgesamt unterstützen ca. 30 Freiwillige das Turnier. Die beiden Schwestern Valenta Krämer (im Foto links) und Livia Krämer (im Foto rechts) werden vom internationalen Schiedsrichter Sebastian Martin angeleitet.

Der Turnierverlauf wurde auch von Außenstehenden gespannt verfolgt. Die Spitzenpaarungen jeder Runde werden auf Monitoren und im Internet unter www.worldchess-disabled.com live übertragen. Interessierte sind jederzeit willkommen und eingeladen zuzuschauen.

ausgekaempftRussland gegen ItalienBlindenschachbrett

 

 

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