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Nachruf Werner Schreyer

 

Werner Schreyer kleinDer Schachverband Sachsen hat mit Werner Schreyer einen Menschen verloren, der den Ruf des sächsischen Schachs durch ca. ein halbes Jahrhundert andauernde erfolgreiche Funktionärstätigkeit über die sächsischen Grenzen hinausgetragen hat. Als Schiedsrichter (wenn vorhanden zumeist Hauptschiedsrichter) bei Vereinsturnieren und jährlich stattfindenden sächsischen Traditionsturnieren (u.a. dem Pokal des Handwerks in Seiffen und dem Äskulap-Turnier in Görlitz), bei regionalen Meisterschaften ...

... (Meisterschaften des Schachbezirks Dresden in den Jahren der DDR und sächsischen Meisterschaften nach der 1990 erfolgten Gründung des Schachverbandes Sachsen), bei DDR-Meisterschaften vor der Wende und Deutschen Meisterschaften nach der Wende sowie bei vielen Internationalen Schachturnieren (u. a. beim letzten Großmeisterturnier der DDR-Zeit (Internationales Schachfestival Dresden 1988) und seit 1999 bei insgesamt mehr als zehn Europäischen Senioren-Mannschafts-Meisterschaften) hat er eine Vielzahl von Turnieren souverän geleitet und selbst bei kompliziertesten Regelfragen nie Ruhe und Übersicht verloren. Sein letztes bei der FIDE registriertes Turnier leitete Werner als Hauptschiedsrichter vom 21. - 29.10.2013 in Dresden. Es war die 21. Offene Sächsische Senioren-Einzelmeisterschaft.

Wenn mir Egmont Pönisch (ebenfalls Internationaler Schiedsrichter der FIDE) geschrieben hat: „...dass ich, wie alle sächsischen Schiedsrichter, sehr viel von Werners Erfahrungsschatz lernten und wir uns in den letzten 20 Jahren auf jedes Turnier gefreut haben, dass wir zusammen pfeifen durften.", sind sowohl die Bedeutung Werners als Schiedsrichter als auch seine Qualitäten als Mensch hinreichend beschrieben.

Dass Werner Schreyer auf Grund seiner Leistungen neben Auszeichnungen mit Ehrennadeln auch höchste Schiedsrichterehren erhielt und schon in der DDR mit dem Titel „Internationaler Schiedsrichter" der FIDE ausgezeichnet wurde, konnte natürlich nicht ausbleiben. Dass die FIDE ihm noch am 1.1.2013 den Titel „Internationaler Schiedsrichter der Kategorie C" (vorher Kategorie D) zuerkannte, kann man wohl als Krönung seiner Lebensleistung als Schiedsrichter betrachten.

Werner Schreyer war im Deutschen Schachverband der DDR (DSV) außerdem als Leiter der Klassifizierungskommission für die damals üblichen Spielklassen (Meister, Meisteranwärter, Klassen 1 – 5) verantwortlich. Anfang der 70-er Jahre ergriffen interessierte Schachfreunde nach dem Studium des neuen FIDE-Wertungssystems eine Initiative, der innerhalb kurzer Zeit die Einführung eines Nationalen Wertungssystems des DSV auf gleicher Grundlage folgte. Damit war der DSV eine der ersten Föderationen, die dem Beispiel des Weltschachbundes folgten.

Das neue System führte zu einer besseren Differenzierung der Leistungsstärke im Spitzenbereich und diente auch als Basis für die Vergabe der Titel „Meister" und „Meisteranwärter" im DSV. Als Kommissionsvorsitzender war Werner Schreyer in alle diesbezüglichen Entscheidungen einbezogen, die auch seine eigenen Arbeitsgewohnheiten stark beeinflussten. Er hat sich dem Neuen nicht verschlossen, sondern es tatkräftig unterstützt und gefördert. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Schachverbände im Jahre 1990 gab es zwar Widerstände gegen die Einführung dieses neuen Systems des DSV für den gesamten Deutschen Schachbund besonders durch Wertungsreferenten der alten Bundesländer. Nicht zuletzt dank der ungeteilten Unterstützung der Aktiven beschloss der Bundeskongress des Deutschen Schachbundes 1991 in Saarbrücken die Einführung eines Systems der Deutschen Wertzahl (DWZ), das auf dem System des DSV basierte und in den alten Bundesländern das längst überholte Ingo-System ablöste.

Nach der Wende hat sich Werner Schreyer dem am 15.9.1990 neu gegründeten Schachverband Sachsen (SVS) sofort als Klassifizierungsbeauftragter (später als Leiter der Wertungszentrale des SVS und noch später bis zu seinem Tode als Landeswertungsreferent) zur Verfügung gestellt. Außerdem stellte er sich dem Deutschen Schachbund mit seinen reichen Erfahrungen für die Mitarbeit in seiner Wertungszentrale zur Verfügung. Nach Bewältigung der Umstellung des Wertungssystems hat er sich beim DSB besonders um die Auswertung internationaler Turniere gekümmert.

Sein langjähriger Mitstreiter in der Klassifizierungskommission des DSV Uwe Bade (Berlin) hat die Verdienste von Werner wie folgt charakterisiert: „Die jahrzehntelange beharrliche Kleinarbeit der Auswertung, Dokumentation, Karteikartenführung, Zusammenarbeit und Anleitung der Mitarbeiter ist der unbestrittene und höchste Anerkennung verdienende Anteil von Werners Funktionärstätigkeit."

Dass in Sachsen viele Vereine nach Schaffung der deutschen Einheit und parallel zur Konsolidierung des Schachverbandes Sachsen daran gingen, Schachturniere über die Grenzen der Vereine hinaus zu initiieren und die Basis für neue Traditionsturniere zu legen, war Werner Schreyer sehr genehm. So bekam er die Möglichkeit, in den letzten 20 Jahren seines Lebens aktiver als vorher seinem Hobby nachzugehen und neben aufwendiger Schiedsrichtertätigkeit beim ZMD Schachfestival Dresden e. V. als Schiedsrichter einer großen Anzahl auch kleinerer Schachturniere tätig zu sein.

Aus gesundheitlichen Gründen zog sich Werner erst wenigen Wochen vor seinem Tode von seinen Aufgaben im SVS und DSB zurück.

Ich lernte Werner erstmals als Leiter des Organisationsbüros der 26. Studenten-Weltmeisterschaft 1969 in Dresden näher kennen. Merkwürdigerweise unterstützte Werner das Organisationsbüro nicht durch eine Tätigkeit als Schiedsrichter, sondern war er auf Grund seiner Sprachkenntnisse als „Mitarbeiter Internationale Arbeit" zur Betreuung der Mannschaften eingesetzt. Dass er auch diese Tätigkeit mit der ihm eigenen Gründlichkeit ausführte, belegt die Tatsache, dass er anschließend mit der Ehrennadel des Deutschen Schachverbandes der DDR in Silber ausgezeichnet wurde.

Später spielten wir einmal eine Partie gegeneinander (ich glaube in der Bezirksliga) und trafen uns zum Briefmarkentausch (dort war Werner fast Profi und ich unwissender Amateur). Erst 1988 kamen wir wieder bei einem Schachturnier zusammen: Beim Großmeisterturnier in Dresden war er Hauptschiedsrichter und ich Turnierdirektor.


Nachdem Dr. Jordan nach der Wende den Schachfestival Dresden e.V. gegründet hatte, holte er viele nationale und internationale Turniere nach Dresden. Als ich Anfang 2000 in Rente ging, hatte ich nun die Zeit, es Werner Schreyer nachzumachen und Dr. Jordan zu unterstützen. So kam es zu zehn schönen Jahren der Zusammenarbeit zwischen Werner und mir. Bei zehn Europäischen Senioren-Mannschaftsmeisterschaften zwischen 2000 und 2010, fast ebenso vielen Sächsischen Senioren-Einzelmeisterschaften in diesen Jahren, zwei Deutschen Senioren-Einzelmeisterschaften und einer Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaft gab es ein Tandem: Werner Schreyer Hauptschiedsrichter und ich Turnierleiter.

Wenn man wusste, dass Werner sehr empfindsam war, und das beherzigt, war es ein Gewinn, mit Werner eine gemeinsame Aufgabe lösen zu dürfen. In all diesen Jahren gab es keine ernstliche Verstimmung zwischen uns beiden. Ich konnte mich auf Werner in jeder Lebenslage voll verlassen. Gab es Streitfälle im Turnier, konnte Werner sowohl diplomatisch als auch konsequent sein. Seine Erfahrungen von fast 50 Jahren Schiedsrichtertätigkeit „in allen Klassen" zahlte sich aus. Hatte ich Probleme in der Organisation, wirkte seine fast stoische Ruhe beruhigend auf mich.

Als ich Ende 2010 mit über 75 Jahren die Mitarbeit im Schachfestival e.V. beendete und Werner aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, ging eine wohl für uns beide schöne Zeit zu Ende. Dass Werner diese gemeinsamen Jahre nicht mehr lange überleben würde, deutete sich bei seinen zunehmenden gesundheitlichen Problemen langsam an. Dass es so schnell zu Ende gehen würde, hat mich trotzdem tief getroffen.

Schach war für Werner Leben. Leben war für Werner zu relativ hohem Prozentsatz Schach. Ein halbes Jahrhundert hat er den größten Teil seiner Freizeit dem Schachsport geopfert. Nicht wie üblich mit dem Ziel, Gegner zu besiegen, sondern mit dem Vorsatz, Schachturniere möglichst problemfrei zu gestalten und den Spielern so schnell wie möglich nach den Turnieren ihre neuen vergleichbaren nationalen oder internationalen Wertzahlen zu liefern. Mit diesem ehrenvollen Vorsatz und seiner Fleißarbeit zur Realisierung dieses Vorsatzes ist er besonders für das sächsische Schach zu einer Institution geworden, zu einer Institution, die uns jetzt fehlen wird. Wir sollten seiner oft und noch lange gedenken.

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2014
 

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